Edigheim

Eine Urkunde über die Schenkung einer Wiese an das Kloster Lorsch im Jahre 772 belegt erstmals die Existenz von „Ottincheim“. Gleich dem südlich davon gelegenen Oppau wechselte Edigheim nach einem Hochwasser 886 die Rheinseite, wobei der im Westen gelegene Altrhein die Ansiedlung ebenso mit Überschwemmungen heimsuchte, wie der im Osten verlaufende „volle“ Rheinstrom.

Im Hochmittelalter kam Edigheim nach mehreren Besitzerwechseln 1323 durch Verkauf von den Rittern von Metz an die Junker von Oberstein. Diese übten die Ortsherrschaft 340 Jahre lang aus, unterstellten aber das vom eigenen Besitz zu weit entlegene Dorf dem Pfälzer Kurfürsten und dem Mainzer Erzbischof als gemeinsame Lehnsherren. Unübersichtliche Rechtsverhältnisse führten immer wieder zu Konflikten und Reibereien. So blieb auch nach der Reformation die zur Oppauer Pfarrei gehörige Edigheimer Kapelle katholisch, während die Einwohner den evangelischen Gottesdienst in Oppau besuchten. Als Zeichen ihrer Gerichtsgewalt nutzten die Herren von Oberstein einen Platz südlich des Ortskerns als Richtstätte, die südwestlich wohl am Siedlungsrand gelegene Herberge der 1486 bezeugten Elendenbruderschaft ging im Chaos des Dreißigjährigen Krieges unter. Nach dem Aussterben der Obersteiner 1663 riss die Kurpfalz die Ortsherrschaft an sich und verlieh das Dorf ab 1704 an ihre Gefolgsleute. Durch die Anlage des Frankenthaler Kanals ab 1773 gewann die damals über 400 Einwohner zählende Gemeinde zwar Wiesengrund und Ackerland hinzu, gehörte aber wegen seiner zu tief gelegenen Felder und Weiden auch im 19. Jahrhundert zu den ärmsten Dörfern der Pfalz. Eine Verbesserung der Bodenqualität zeichnete sich erst nach der Rheinkorrektion Tullas ab.

Der 1899 zur Versorgung der nahen Stadt Frankenthal errichtete Wasserturm ist das Wahrzeichen des Ortes. Sowohl Frankenthal als das durch die Ansiedlung der BASF reich gewordene Oppau warben nach 1900 um das zwar hoch verschuldete, aber an Bauland reiche Edigheim. Am 1. April 1928 kam es zur Eingemeindung nach Oppau. Ein Schritt, von dem sich beide Seiten große Vorteile erhofften. Der Ort teilte so das Schicksal Oppaus im „Dritten Reich“. Neben der politischen Opposition traf es besonders den ansässigen Kaplan der katholischen Kirche, der auf Druck der neuen Machthaber schon Ende 1933 seine Stelle räumen musste. 1938 folgte die Eingemeindung nach Ludwigshafen. Im Zweiten Weltkrieg kam das noch ländlich geprägte Edigheim glimpflicher davon als die Nachbarorte Frankenthal, Ludwigshafen oder Oppau. Dennoch verloren 10 Edigheimer bei Luftangriffen ihr Leben.

Durch die Neubaugebiete im Norden und Westen wuchs der Ort in den vergangenen Jahrzehnten nicht unbeträchtlich. Im Jahre 2010 lebten 8.175 Einwohner in Edigheim.

 

Text P.Bilhöfer