Oppau

Das erstmals 808 urkundlich erwähnte „Opphowa“ verdankt seine Existenz der günstigen Lage unweit vom Zusammenfluss von Rhein und Neckar sowie dem Fischreichtum der Gewässer. Als Folge der Rheinlaufänderung lag der Ort zusammen mit dem benachbarten Edigheim seit 886 auf dem linken Rheinufer, bis ins 19. Jahrhundert suchten immer wieder verheerenden Überschwemmungen die Region heim. Ungeachtet dessen entwickelte sich das Rheindorf um den Platz der heutigen Wiederauferstehungskirche herum zu einer beachtlichen Siedlung.



Die schon 808 belegte Pfarrei St. Martin unterstand dem Bistum Worms und dürfte die älteste im heutigen Ludwigshafener Stadtgebiet sein. Die weltliche Herrschaft übten seit 1191 bis zur Französischen Revolution die Pfalzgrafen bei Rhein aus. Kurfürst Friedrich der Siegreiche erhöhte die Attraktivität des Ortes, dessen Einwohner er 1462 von der Leibeigenschaft befreite. Dennoch erlitten Oppau und Edigheim 1471 schwere Schäden, als die Kurpfalz in einer Fehde die dort gelegenen Bauernhöfe und Güter ihrer Gegner niederbrennen ließ.

Der Dreißigjährige Krieg bedeutete den fast völligen Niedergang der Siedlung. Die Aufgabe des Wiederaufbaus übernahmen zumeist ins Land gerufene Wallonen, Hugenotten und Schweizer, zu denen sich später noch mehrere Familien aus Tirol gesellten. Ungeachtet des Religionswechsels im Pfälzer Herrscherhaus nach 1685 und mehreren Einwanderungswellen blieb der Ort auch im 18. Jahrhundert evangelisch geprägt, um 1800 waren fast 70 % der 982 Einwohner Protestanten.

Mit dem Ende der Kurpfalz gehörte Oppau erst zu Frankreich, dann von 1816 bis 1945 zu Bayern. Die neue Grenzziehung am Rhein schadete der wirtschaftlichen Entwicklung des Ortes außerordentlich. Daneben führte die Rheinbegradigung Tullas zu großen Verlusten an Ackerland, beseitigte aber zugleich die häufig auftretenden Hochwasserschäden.

Die Ansiedlung der ersten Ammoniakfabrik der Welt durch die BASF 1913 entschied die Wandlung des Bauerndorfes zur Industriegemeinde, doch eine Explosion im „Oppauer Werk“ 1921 forderte 561 Menschenleben und zerstörte über 80% der Häuser. Es folgte ein großzügiger Wiederaufbau, der noch heute große Teile des Ortsbildes prägt. Die Nationalsozialisten schenkten dem „roten Oppau“ ab 1933 besondere Aufmerksamkeit. Durch mehrere Gewaltakte wurde jegliche Opposition unterdrückt, im Mai 1933 fand dort die größte Bücherverbrennung in der ganzen Vorderpfalz statt. Fünf Jahre später folgte auf Druck der Machthaber die Eingemeindung nach Ludwigshafen, womit die 1929 erhaltenen Stadtrechte wieder verloren gingen.

 

Wie schon 1915 zog die Nähe zur BASF auch im Zweiten Weltkrieg feindliche Flieger an. Bei 33 Luftangriffen kamen in Oppau fast 350 Menschen - darunter mindestens 257 Zwangsarbeiter - ums Leben.

Die nach 1945 aufkeimenden Bemühen zur Widererlangung der Selbständigkeit endeten 1955 erfolglos, zugleich profitierte Oppau von seinem Verbleib in Ludwigshafener Stadtgebiet u.a. durch den Ausbau seiner Infrastruktur, wie Autobahnzubringer und Bürgerhaus. Im Jahr 2010 wohnten 9.684 Menschen in Oppau.

 

Text P.Bilhöfer