Pfingstweide

Der jüngste Stadtteil Ludwigshafens ist die Pfingstweide. Ursprünglich zur Edigheimer Gemarkung gehörend, verhinderten Hochwasser und Feuchtigkeit, dass die Bauern schon vor Pfingsten ihr Vieh dort auf die Weide treiben konnten. Die Anstrengungen, die Flächen besser nutzen zu können, sind alt. Schon 1787 stellte eine kurpfälzische Regierungskommission fest: „Die Pfingstweid als zu tief gelegen, nicht mahl urbar zu machen“. An Ackerbau war nicht zu denken.

Bis ins 20. Jahrhundert beherrschten Sümpfe, Auwald, Wiesen und Wasserlöcher das Gebiet, weder die Anlage des Frankenthaler Kanals noch die Rheinbegradigung von Tulla konnte daran etwas ändern. Stattdessen nutzten im frühen 19. Jahrhundert Schmuggler die unübersichtliche Wildnis als Versteck, in der östlich angrenzen Flur „Hansenbusch“ kam es deshalb 1830 sogar zu einer regelrechten „Schlacht“ mit der Gendarmerie, die mindestens vier Menschenleben forderte. Daneben diente ein Tümpel im Bereich der heutigen Ortseinfahrt den Leinenwebern als Bleiche. Dieses im Volksmund „Bleech“ genannte Wasserloch verschwand erst mit der Anlage des Stadtteils Pfingstweide.

Nach dem Zweiten Weltkrieg rückte das immer noch brach liegende Areal ins Blickfeld der Raumplaner. War 1959 die Erschließung als Gewerbegebiet noch aufgegeben worden, so verlangte die nach wie vor bestehende Wohnungsnot in den 1960er Jahren eine rasche Antwort. Schon 1964 erhielt die kommunale Wohnungsbaugesellschaft GAG den Auftrag, einen Bebauungsplan zu erstellen, den der Stadtrat im Juli 1967 bewilligte. Gemeinsam mit der BASF-eigenen Wohnungsbaugesellschaft LUWOGE begannen die Baumaßnamen nach dem ersten Spatenstich am 1. September 1967. Mit der Gesamtplanung wurde der Frankfurter Architekt und Stadtplaner Albert Speer junior betraut. Die Anlage verschiedener Haustypen - vom Bungalow am Rand bis zu Häusern mit 17 Geschossen in der Ortsmitte - sollte den Eindruck einer harmonisch „gewachsenen“ Siedlung in Pyramidenform erwecken. Dabei achtete der Architekt darauf, dass durch die verschiedenen Gebäudeformen und deren Anlage nicht das Bild einer eintönigen Trabantenstadt entstand. Kaum zwei Jahre nach Baubeginn war die 1000. Wohnung bezugsfertig, das 1971 erstmals gefeierte Pfingstweidefest lebt heute als „Pfingstweidekerwe“ fort. Im Gegensatz zu den in Jahrhunderten gewachsenen anderen Stadtteilen, musste die Pfingstweide innerhalb weniger Jahre die zu einer lebendigen Siedlung gehörigen Infrastruktur schaffen. Dazu gehörten in den 1970er Jahren Grundschule und Kindergärten ebenso, wie die Kirchengemeinden, die Jugendfarm und ein Einkaufszentrum. Ersten Vereinsgründungen folgte 1982 das Gemeinschaftshaus, 2010 ein Ärztehaus. Im Jahr 2010 lebten 6.185 Menschen auf der Pfingstweide.

 

Text P.Bilhöfer